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Range Rover Jockey Club 2026: Geschichte, Ausblick – und alte Freundschaften

Sonntag, 06. September 2026 09:40

Am 20. September wird auf der Parkrennbahn Zürich-Dielsdorf der Grand Prix Range Rover-Jockey Club zum 51. Mal ausgetragen. Alex Ciseaux wirft für horseracing.ch und GALORAMA einen persönlichen Blick auf dieses traditionsreiche Rennen – auf PONT DES ARTS, auf Menschen, die den Schweizer Rennsport über Jahrzehnte geprägt haben, und auf die Bedeutung verlässlicher Partnerschaften.

von Alex Ciseaux

 

Die Geschichte des englischen Jockey Club reicht bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts zurück. 1750 wurde «The Jockey Club» in London gegründet. Seine Regeln und Strukturen haben den Pferderennsport weit über die Grenzen Grossbritanniens hinaus geprägt. Die Schweiz ist im Vergleich mit den grossen europäischen Rennsportnationen England, Irland, Frankreich oder Deutschland ein kleines Rennsportland. Und doch gab es auch im Land der Berge, Banken, Uhren und Schokolade seit jeher Menschen, die dem englischen Vollblut und dem Rennsport mit grosser Leidenschaft verbunden waren.

1976 wurde in Zürich der Jockey Club Schweiz gegründet. Ziel war es, mit den Mitteln seiner Mitglieder insbesondere die Parkrennbahn Zürich-Dielsdorf und den Schweizer Galopprennsport zu unterstützen. Ein besonderes Augenmerk galt dabei dem GRAND PRIX JOCKEY CLUB – einem der bedeutendsten Flachrennen des Landes.

 

Tradition trifft auf eine neue Zeit

Am 20. September 2026 wird der Range Rover Jockey Club zum 51. Mal ausgetragen. Das Rennen zählt weiterhin zum Défi du Galop, besitzt inzwischen jedoch keinen Listed-Status mehr. Auch die Direktübertragung via EQUIDIA, wie es sie in früheren Jahren gab, findet dieses Jahr leider nicht statt.

Der Pferderennsport in der Schweiz befindet sich in einer Phase des Umbruchs. Altbewährte Traditionen und eine dynamische, zunehmend digitale Welt treffen aufeinander, die Reorganisation ist in vollem Gang.

Es braucht beides: Tradition und Modernität. Vor allem aber braucht der Rennsport verlässliche und loyale Partner.

Denn bei allen Veränderungen verbindet uns noch immer dasselbe: die Liebe zum Pferd – in diesem Fall zum englischen Vollblut.

 

Ein Pferd, das Menschen verbunden hat

Wenn ich an den Grand Prix Jockey Club denke, kommt mir immer wieder ein ganz besonderes Pferd in den Sinn: PONT DES ARTS.

Der charismatische Hengst von Kingsalsa aus der Magic Art war mit einer Gewinnsumme von über 450'000 Euro das gewinnreichste Rennpferd der Schweiz aller Zeiten. Zwischen 2006 und 2013 bestritt er 63 Rennen und gewann nicht weniger als 21 davon.

Doch Zahlen erzählen bei PONT DES ARTS nur einen kleinen Teil der Geschichte.

Pont des Arts nach seinem Sieg im Grand Prix Range Rover Jockey Club 2009 mit Frédéric Spanu (Foto: Ueli Wild).  

 

Dieses Pferd hat Menschen unterschiedlichster Herkunft zusammengebracht. Wer seinen Trainer und wohl besten Freund Andreas Schärer heute auf PONT DES ARTS anspricht, spürt sofort, wie viele Emotionen mit diesem aussergewöhnlichen Pferd verbunden sind.

Die Geschichte von PONT DES ARTS lässt sich deshalb nicht in ein paar Zeilen erzählen. Sie zeigt vielmehr exemplarisch, worum es in unserem Sport geht.

 

Applaus für den Champion: Beim Abschied von Pont des Arts am 29.9.2013 bedankten sich Trainer Andreas Schärer, Karin Zwahlen, Vreni Kräuliger, Frédéric Spanu, Anton Kräuliger und Olivier Plaçais (von links nach rechts; Foto: Nathalie Vorburger))


Hinter jedem Erfolg steckt unglaublich viel Herzblut und Arbeit. Was auf der Rennbahn geschieht, ist für alle sichtbar. Die Emotionen, Hoffnungen, Enttäuschungen und Freundschaften dahinter erleben hingegen nur jene Menschen wirklich, die ein solches Pferd auf seinem Weg begleiten.

Zu diesen Menschen gehörte auch Kurt Schafflützel, der leider verstorbene erste Schweizer Trainer von PONT DES ARTS.


Die letzten fünf Jahre seines Lebens durfte der Hengst bei Andreas Schärer in Zürich-Dielsdorf verbringen. Dort gehörte er weiterhin zum täglichen Stallleben und führte jeweils als erstes Pferd das erste Lot an.
Im vergangenen Jahr musste PONT DES ARTS im Alter von 19 Jahren aufgrund seiner Altersbeschwerden erlöst werden.

 

Pont des Arts im Dezember 2015 auf seinem Paddock im Horse Park Zürich-Dielsdorf (Foto: Markus Monstein). 

 

Vreni und Toni Kräuliger – ein Leben für den Rennsport

Die Geschichte von PONT DES ARTS ist gleichzeitig eng mit jener von Anton und Vreni Kräuliger verbunden.

Das aus Basel stammende Ehepaar kam bereits in jungen Jahren im Kanton Bern mit dem Vollblutsport in Kontakt. Die Bekanntschaft mit dem Rennsport-Enthusiasten Richard Kläy, dessen Töchter später ebenfalls im Rennsport aktiv wurden, liess den Funken endgültig überspringen.

Seither haben Vreni und Toni Kräuliger den Schweizer Rennsport über Jahrzehnte mitgeprägt und mitgetragen.

Immer wieder wurden notwendige Brücken gebaut. Immer wieder wurde nach vorne geschaut und weitergemacht.

Gerade heute, an einem wichtigen Punkt in der Geschichte des Schweizer Rennsports, verdienen Menschen wie sie unseren Applaus.

 

Liebes Vreni, lieber Toni: herzlichen Dank!

Auf euch erheben wir die Gläser. Mögen euch Gesundheit und Lebensfreude noch lange erhalten bleiben, damit wir uns weiterhin gemeinsam an unserer grossen Leidenschaft erfreuen können.

Auf bald – am 20. September 2026 auf der Parkrennbahn Zürich-Dielsdorf!

 

Eine französische Fassung dieses Beitrags ist auch bei GALORAMA.fr zu lesen.

 

Lesetipp: GALORAMA ist ein junges französisches Rennsportmedium mit News, Interviews, Reportagen, einem kostenlosen täglichen Newsletter und einem digitalen Magazin. Warum sich ein Blick auf GALORAMA auch für Schweizer Rennsportfreunde lohnt, lesen Sie in unserem separaten Beitrag.

 

 

In Erinnerung an Pont des Arts: Eine kleine Episode mit dem legendären Hengst und seinem Trainer Andreas Schärer (aufgenommen von Markus Monstein im August 2018)

 

 



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